Dialogreihe 2015

Die Dialogreihe „Bridging the Gap“ wurde 2013 vom Verein zur Förderung des Israel Museum e.V. und dem Thalia Theater Hamburg wieder ins Leben gerufen und wird seitdem gemeinsam veranstaltet und erfolgreich weitergeführt. Beispielhaft für einen praktischen und nachhaltigen Versuch, Brücken zu bauen, ist „Bridging the Gap“, das palästinensisch-jüdische Kunstprogramm des Israel Museums, das der Reihe ihren Namen gab und in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiert. Das Programm leistet seit 20 Jahren praktische Verständigungsarbeit in einer Stadt, die ein Kristallisationspunkt der Konflikte zwischen Ethnien und Religionen ist und die wie keine andere von politischer, religiöser und kultureller Vielfalt gekennzeichnet ist.

Das Israel Museum in Jerusalem feiert im Jahr 2015 sein 50-jähriges, der Verein zur Förderung des Israel Museums in Jerusalem e.V. sein 25-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass finden zahlreiche Sonderausstellungen und Veranstaltungen statt, die die Errungenschaften von der Gründung des Museums bis heute und die lokalen und internationalen Dimensionen der Sammlung beleuchten.

Die Kooperationspartner Thalia Theater und der Verein zur Förderung des Israel Museum freuen sich im einem so jubiläumsreichen Jahr auf zwei ganz exklusive Veranstaltungen im Rahmen der Dialogreihe „Bridging the Gap“.

Unserer Themen und Brückenbauer im Jahr 2015:

Auftaktveranstaltung am 6. Oktober                                                 Veranstaltung IX: Seid umschlungen, Millionen – Klassik für die Elite oder für alle?

Der Chefdirigent des NDR-Sinfonieorchesters Thomas Hengelbrock und der Generalmusikdirektor und Chefdirigent der Hamburger Staatsoper und des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg, Kent Nagano, diskutierten, ob klassische Musik Brücken bauen kann und ob sie hilft, soziale und ethnische Grenzen zu überwinden. Musik gilt als universelle Sprache. Klassische Musik wird von vielen als eher elitär begriffen. Wie groß ist aktuell noch die Wirkungskraft z. B. von Beethovens „Europa-Hymne“ oder Brittens „War Requiem“? Der Cellist und Dirigent des Irakischen Sinfonieorchesters, Karim Wasfi, sagte zu seiner unmöglichen Mission in Bagdad: „Warum ich es in diesem Drecksloch aushalte? Weil ich eine Armee von Musikern ausbilden will, bis es im Irak mehr Instrumente als Waffen gibt.“ Kann Musik also gar Konflikten und Kriegen entgegenwirken? Im Gespräch widmeten sie sich diesen und anderen Fragen die beiden Maestros als Vorbilder und wichtige Träger der klassischen Musik.

Mit Thomas Hengelbrock, Chefdirigent des NDR-Sinfonieorchesters und Kent Nagano, Generalmusikdirektor und Chefdirigent der Hamburger Staatsoper und des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg.

Einführung: Sonja Lahnstein-Kandel; Moderation: Joachim Lux

"Bridging the Gap" Thalia Theater   "Bridging the Gap" Thalia Theater

"Bridging the Gap" Thalia Theater

T. Hengelbrock, K. Nagano, S. Lahnstein, J. Lux (vlnr) (fc:Fabian Hammerl)

Abschlussveranstaltung am 1. Dezember                                        Veranstaltung X: „Die Zukunft der Vergangenheit“ – Wie geht es weiter mit Deutschland und Israel nach 50 Jahren?

Für Deutschland und Israel ist das Verhältnis zur jeweils anderen Seite identitätsprägend. Auch heute, 50 Jahre nach der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen, kann dieses Verhältnis angesichts des Holocaust, nicht als „normal“ bezeichnet werden. Die Erinnerung an die NS-Verbrechen am jüdischen Volk ist unauslöschlich und damit auch die Verantwortung. Doch was verbindet uns jenseits dieser Erinnerung? Wie können in dem Verhältnis beider Länder neue Wege begangen werden, um die Herzen der jungen Menschen zu erreichen, für die diese Erinnerung weitgehend theoretisch und eine Sache des letzten Jahrhunderts ist? Viele Veranstaltungen haben in diesem Jubiläumsjahr bereits stattgefunden. Zum Abschluss des Jubiläumsjahres gilt es nach vorn zu schauen: Zukunft als gemeinsame Chance.

Dieser Herausforderung stellten sich in einem lebendigen Gespräch Prof. Dr. Fania Oz-Salzberger, Publizistin, Historikerin und Tochter von Amos Oz; Shimon Stein, ehemaliger Botschafter Israels in Deutschland; Kerstin Griese, Mitglied des Deutschen Bundestages, stellv. Vorsitzende Deutsch-Israelische Parlamentariergruppe; Christian Sievers, ehemaliger Israel-Korrespondent und leitender Moderator ZDF heute und heute journal; sowie die israelischen Studenten der Universität Haifa Saleem F. Bisharat und Mor Beer und die jungen Deutschen Stefanie Horn und Monty Ott.
Moderation: Sonja Lahnstein-Kandel; Einführung: Joachim Lux.

Es ging um vieles an diesem besonderen Dialogabend. Um die Bilder der Vergangenheit, um das Gefühl des sich sicher Fühlens, um Terror im Alltag, um die Vorstellung wie man als Deutscher oder Israeli wahrgenommen wird und natürlich um politische Beziehungen. Doch vor allem ging es um menschliche, länderübergreifende Synergien. 30.000 junge Israelis leben zurzeit in Berlin, sie studieren, engagieren sich kreativ. Tel Aviv ist bei den jungen Deutschen zu einem Must be there – Ort geworden.

Bei der Vielzahl an Themen an diesem Abend hier ein Statement unserer Podiumsgäste:
Mor: Ich fühle mich wohl und sicher, wenn ich in Deutschland auf der Straße bin. Saleem: Jedes Mal, wenn bei uns ein Terrorakt passiert, zerreißt es mir das Herz um die Opfer und ich denke, nein, nein, nein, auf diese Weise werden wir niemals weiterkommen. Sievers: Billigflieger wie airberlin, easyjet und die vielen anderen Anbieter, tun mehr für das deutsch-israelische Verhältnis als die politische Liga. Oz: Die Geschichte Deutschlands und Israels ist über 1000 Jahre alt, der Holocaust so schrecklich und verabscheuungswürdig er gewesen ist, wird diese Beziehung nicht zerstören. Stein: Auf politischer Ebene ist Sachlichkeit geboten, wenn man über Deutschland und Israel spricht. Monty: Ich will in Deutschland in aller Öffentlichkeit meine Kippa tragen ohne dafür angefeindet zu werden, es ist ein Teil meiner Persönlichkeit. Stefanie: Wir müssen mehr auf die jungen Menschen hören, wir müssen wissen, was bewegt diese Menschen, was interessiert sie an Deutschland, was an Israel. In Tel Aviv gibt es die meisten Start-Ups weltweit, das ist das was junge Menschen interessiert. Griese: Wir haben die Verpflichtung uns zu informieren, was in dem jeweils anderen Land passiert. Wir müssen den Palästinensern und Juden zuhören und weiterhin an einer Lösung arbeiten, auch wenn man aktuell nicht wirklich das Wort Friedensprozess nennen kann. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass Israel die einzige Demokratie im Nahen Osten ist.

Ein gemeinsames Fazit unserer Gäste: Wir müssen miteinander sprechen, debattieren, wir müssen uns gegenseitig besuchen, Beziehungen aufbauen und pflegen. Und das nicht nur auf politischer Basis, sondern so wie es aktuell bei den jungen Leuten in Berlin und Tel Aviv passiert, so wie es seit Jahren an der Universität Haifa von Juden und Arabern gemeinsam gelebt wird, besonders auf menschlicher Ebene.

"Bridging the Gap" im Thalia Theater

"Bridging the Gap" im Thalia Theater

S.Stein, S. Horn, S. Bisharat, F. Oz,  S. Lahnstein, M. Ott, M. Beer, K. Griese, C. Sievers (vlnr) (fc:Krafft Angerer)

Hier können Sie die Aufzeichnung der Veranstaltung vom 1. Dezember ansehen.

Presseartikel über unsere Dialogreihe 2015 finden Sie in unserem Pressebereich

Die Dialogreihe Bridging the Gap wird gefördert durch die ZEIT Stiftung.

zeit logo

Flyer_front BtGFlyer_back BtG

flyer1flyer2