DIALOGREIHE - BRIDGING THE GAP

Dialogreihe „Bridging the Gap“ 2013 in Hamburg

Mit großem Erfolg starteten wir Mitte Januar mit unserer Dialogreihe „Bridging the Gap“, die wir in Kooperation mit dem renommierten Thalia Theater in Hamburg organisiert haben, und mit Bravour endete unser gemeinsames Projekt, bestehend aus fünf Terminen, im Juni dieses Jahres.

Auf jeder der fünf Veranstaltungen diskutierte ein hochkarätig besetztes Podium angeregt und emotional hochkomplexe und vielschichtige Gesellschaftsthemen. Moderation und Einführung gestalteten belebend aber auch nachdenklich Sonja Lahnstein (Vorsitzende des Vereins zur Förderung des Israel-Museums in Jerusalem e.V.) und Joachim Lux (Intendant Thalia Theater) im Wechsel.

Sonja Lahnstein und Joachim Lux brachten vor jeden Dialog zum Ausdruck wie viele wichtige Überschneidungspunkte die Dialogreihe, stattfindend in einem großen Theater für transzendentale Kunst und das Kunstprogramm „Bridging the Gap“ für Kinder und Jugendliche in Jerusalem, gemeinsam haben.

Eine der großen Fragen unseres Jahrhunderts ist: Wie können Menschen unterschiedlicher Religions- und Kulturkreise miteinander leben und so zur Überwindung von Konflikten beitragen?

Unter der Intendanz von Joachim Lux setzt sich das Thalia Theater verstärkt für die Verständigung zwischen den Kulturen und Religionen ein. Beispielhaft dafür die Lessingtage mit denen dieses tolle Theater jedes Jahr gerade zu diesen Themen künstlerische Höhepunkte und wichtige Impulse setzt und mitten ins Herz der Stadt wirkt.

Beispielhaft aber für einen sehr konkreten und nachhaltigen Versuch Brücken zu bauen, ist das tatsächliche „Bridging the Gap“, das palästinensisch-jüdische Kunstprogramm des Israel Museums für Kinder in Jerusalem. „Bridging the Gap“ will Brücken bauen – zwischen dem Anderen und dem Eigenen. „Bridging the Gap“ zeigt täglich, dass ein Dialog auch über scheinbar festgefahrene Grenzen und deutliche Gegensätze hinweg möglich ist.
Ein einzigartiges und trotz Kriegen und Terror seit 20 Jahren erfolgreiches Programm in einer Stadt, die ein Kristallisationspunkt der Konflikte ist, aber gleichzeitig wie keine andere von politischer, religiöser und kultureller Vielfalt gekennzeichnet ist.
Deshalb trägt die Dialogreihe auch diesen Namen, damit hinter der Theorie und dem Gespräch auch ein gelebtes Beispiel steht.

Den universellen Wert des Israel Museums mit seinen nachhaltigen Projekten betonte auch US-Präsident Barack Obama bei seinem allerersten Israel-Besuch im März 2013, er bekräftigte die Signalwirkung des Museums zur Toleranz für die gesamte Region und darüber hinaus.

In diesem Geiste ist „Bridging the Gap“ auch das wichtigste Projekt des Vereins, zu dessen Mitgliedern engagierte Künstler und Persönlichkeiten zählen und der u. a. von Siegfried Lenz, Richard von Weizsäcker und Rolf Liebermann gegründet wurde.

Der Verein zur Förderung des Israel-Museums und das Thalia Theater haben sich beide vorgenommen der Überwindung von Vorurteilen einen zusätzlichen Raum zu geben. Das Thalia als Theater, das eh nur als interkulturell existieren kann und der Verein mit dem lebendigen Beispiel an dem denkbar schwierigsten Ort – Jerusalem - denn Kunst ist genauso interkulturell wie Theater.

Trotz immer wieder realer Verschärfungen der Lebenssituation der Menschen in Jerusalem und der Region ist „Bridging the Gap“ die Hoffnung. Wir hoffen also mit eine Fortsetzung der Reihe weiter darauf hinweisen zu können.*

* Inhalte und Zitate vollständig entnommen: Sonja Lahnstein, Einführungstext zur BtG-Dialogreihe, Hamburg, 2013.

Unsere Themen und Brückenbauer 2013:

Die Auftaktveranstaltung mit dem Titel: Wo bleiben die Intellektuellen in der europäischen Krise? startete im Januar. Er könne zwar nicht versprechen diese Frage zu lösen, aber er werde sich gern an der Suche nach ihnen beteiligen, so der polnische Botschafter und Präsident des Center for International Relations in Warschau Janusz Reiter. Mit ihm auf die Suche begaben sich Daniel Cohn-Bendit (Mitglied des Europäischen Parlamentes in Strassburg), Staatsminister a. D. Prof. Dr. Michael Naumann (Geschäftsführer der Barenboim-Said Akademie) und Prof. Dr. Gesine Schwan (ehem. Beauftragte der Bundesregierung für deutsch-polnische Angelegenheiten, Präsidentin der  Humboldt-Viadrina School of Governance).
 
Ganz im Gegensatz zu den oft hitzig geführten oder mit Vorurteilen belegten Debatten zu jüdischen Themen, diskutierten auf der zweiten Veranstaltung über Jüdische Identität in Europa – zwischen Anpassung und Selbstfindung nachdenklich, unaufgeregt und mit viel Witz Rabbiner Shlomo Bistritzky (Jüdische Gemeinde Hamburg), Dr. Dr. Michel Friedman (Rechtsanwalt, Moderator und ehem. Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses), Julya Rabinowich (Schriftstellerin und Malerin) und Dr. Isolde Charim (Philosophin und Publizistin) miteinander.

Einen großen Höhepunkt bildete die dritte Veranstaltung der Dialogreihe namens Pulverfasss Nahost – sind Frauen klüger?, allein schon auf Grund der einzigartigen Zusammenstellung des Podiums. Drei prominente arabische Frauen unterschiedlicher Länder - Gihan Abou Zeid (Menschenrechtsaktivistin, Kairo), Dr. Hanan Ashrawi (ehem. Sprecherin der palästinensischen Delegation im Nahost-Friedensprozess), Rafif Jouejati (Sprecherin des Lokalen Koordinierungskomitees der Oppositionsdemonstrationen in Syrien) -, sowie eine Israelin - Prof. Dr. Fania Oz-Salzberger (Professorin an der University of Haifa in Israel und Tochter von Amos Oz) - zugleich auf der Bühne. Eine Konstellation von höchster politischer Brisanz und einmalig seit Beginn des Arabischen Frühlings! Die Grünen-Politikerin Claudia Roth und die „Emma“-Herausgeberin Alice Schwarzer ergänzten von der deutschen Seite diese hochspannende Runde.

An sehr persönliche und intime Eindrücke bei ihrer Ankunft in Deutschland ließen, auf der vierten Veranstaltung zum Thema Lieben wir das Deutsche? – über die deutsche Migrationshintergründigkeit, Ian Karan (Unternehmer und Mäzen, ehem. Senator für Wirtschaft und Arbeit), Sonja Lahnstein (Gründerin und Vorsitzende der Stiftung „step21 für Toleranz und Verantwortung“), Giovanni di Lorenzo (Chefredakteur der Wochenzeitung „DIE ZEIT“, Moderator der Talkshow „3nach9“), John Neumeier (Ballettintendant der Hamburger Staatsoper und Ehrenbürger Hamburgs), Aydan Özoguz (stellvertretende SPD-Vorsitzende, MdB) und Vural Öger (türkisch-deutscher Unternehmer, ehem. MEP) die Zuschauer teilhaben. Ob sich nun alle als „Edelmigranten“ fühlen, wie Govanni di Lorenzo sich und die anderen Podiumsgäste augenzwinkernd betitelte, wurde nicht geklärt, doch dass sie alle nach ihrer Ankunft in Deutschland schnell die deutsche Sprache erlernen wollten und nach Bildung strebten, darüber waren sich die Diskussionsteilnehmer mehr als einig.

Hochaktuell auch die letzte Veranstaltung der Dialogreihe: Das Religiöse und das Säkulare – Glaube gegen Vernunft. Intelligent und emotional nahmen sich Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber (ehem. Bischof von Berlin-Brandenburg, ehem. Ratsvorsitzender der EKD), Jens Jessen (ehem. Feuilletonchef der ZEIT), Seyran Ateş (Rechtsanwältin und Autorin), Konny G. Neumann (Vorsitzender der Stiftung Geistesfreiheit in Hamburg und Sprecher des Deutschen Humanistentages), unter der Moderation von Johannes B. Kerner (Journalist und Fernsehmoderator), der in seiner Biografie gern erwähnt sieht, dass er gläubiger Katholik ist, dieser komplizierten Thematik an. Viele Schlagworte fielen, vom aggressiven Atheismus bis hin zur fundamentalen Religiosität war die Rede. Einverstanden waren aber alle mit der Formulierung, dass Glaube per se die Vernunft nicht ausschließt und ein rationaler Mensch durchaus sehr gläubig sein kann.

Nicht ohne Stolz möchten wir auch erwähnen, dass alle fünf Veranstaltungen der Dialogreihe, ob abends oder in der sonntägigen Matinee, eine enorm große und positive Resonanz beim Publikum wie auch von den Medien erhielten.

Insgesamt haben über 4000 Menschen den Weg ins Theater gefunden. Die interessierte und diskussionsfreudige Stimmung auf dem Podium wie auch im Publikum lassen hoffen, dass es viele Menschen gibt, die bewegen wollen und sich auch bewegen lassen, für eine gemeinsame und friedvolle Zukunft zu kämpfen, zumindest mit Worten.

Mit dieser wunderbar umgesetzten Dialogreihe, konnten wir unser Leuchtturmprojekt „Bridging the Gap“ überregional bekannt machen und freuen uns sehr, wenn wir dadurch Menschen mobilisieren unser erfolgreiches und nachhaltiges Programm zu unterstützen.

(Fotocredit: Angerer/ Hammerl/ Usbaek-Nielsen), Juli 2013, Hamburg


Informationen zu unserer Dialogreihe finden Sie auch auf der Internetseite unseres Kooperationspartners Thalia Theater:
http://www.thalia-theater.de/h/bridging-the-gap_641_de.php